Leseprobe

Hier finden Sie zwei Auszüge aus dem Buch – einen anschaulichen Einstieg in die PFAS-Problematik bei Lebensmitteln sowie einen Überblick über wissenschaftlich belegte Gesundheitsrisiken.

Inhalt

Kapitel 3.1 Warum PFAS in Lebensmitteln ein Problem sind

Kapitel 4.1 Gesundheitliche Risiken im Überblick


3.1 Warum PFAS in Lebensmitteln ein Problem sind

PFAS gelangen hauptsächlich über die Nahrung in den menschlichen Körper – und das täglich. Der Grund: Diese Chemikalien lagern sich in Böden, Gewässern und Tieren ab und gelangen so in die Nahrungskette. Besonders betroffen sind tierische Produkte wie Eier, Fisch und Fleisch. Aber auch pflanzliche Lebensmittel können belastet sein – etwa durch Bewässerung mit kontaminiertem Wasser.

PFAS sind chemisch extrem stabil. Der Körper kann sie nur langsam abbauen, wodurch sie sich im Gewebe anreichern. Das betrifft insbesondere die Leber, die Nieren und das Blut. Je nach Verbindung kann die biologische Halbwertszeit mehrere Jahre betragen.

Problematisch ist auch:

  • Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für PFAS auf Lebensmitteln.
  • Verbraucher haben keine direkte Möglichkeit, Belastungen zu erkennen.
  • Die Stoffe sind geschmacklos, farblos, chemisch unauffällig – aber gesundheitlich bedenklich.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit legte im Jahr 2020 eine wöchentliche tolerierbare Aufnahme von 4,4 ng pro Kilogramm Körpergewicht fest. Ein Wert, der bereits durch ein einziges Ei aus einem belasteten Gebiet überschritten werden kann (EFSA, 2020).


4.1 Gesundheitliche Risiken im Überblick

PFAS stehen im Verdacht, eine Vielzahl gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu verursachen. Die Forschung zeigt zunehmend Zusammenhänge mit schwerwiegenden Erkrankungen und chronischen Störungen.

Krebsrisiken:
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat im Jahr 2023 die Substanz PFOA als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft – das entspricht der höchsten Gefahrenkategorie (Gruppe 1). Grundlage dieser Bewertung waren ausreichende Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Nierenzellkarzinome sowie begrenzte Hinweise für Hodenkrebs beim Menschen.

Da direkte Studien mit krebserregenden Stoffen am Menschen ethisch nicht vertretbar sind, stützt sich die IARC zusätzlich auf sogenannte mechanistische Daten. Diese zeigen anhand von Tierexperimenten und Zellstudien, auf welchen biologischen Wegen PFOA Krebs auslösen kann – etwa durch DNA-Schäden, hormonelle Störungen oder veränderte Zellfunktionen (IARC, 2023).

Darüber hinaus zeigen epidemiologische Studien Zusammen-hänge zwischen PFAS-Exposition und erhöhtem Risiko für weitere Krebsarten, darunter Prostata-, Brust-, Schilddrüsen- und Non-Hodgkin-Lymphome (CDC, 2021).

Immunsystem:

PFAS können das Immunsystem beeinträchtigen. Studien zeigen, dass sie die Antikörperbildung nach Impfungen reduzieren (NASEM, 2021), das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen (Steenland et al., 2021) und die Funktion von Immunzellen stören können (Bil et al., 2022).

Hormonelle Störungen:

PFAS wirken als endokrine Disruptoren. Sie binden an Hormonrezeptoren – insbesondere Östrogenrezeptoren – und können das hormonelle Gleichgewicht empfindlich stören (Yang et al., 2024). Nachgewiesen wurden Effekte auf die Schilddrüsenhormone, die Fortpflanzungshormone sowie mögliche Risiken für Unfruchtbarkeit und verzögerte Pubertät. Frauen, Schwangere und Kinder gelten als besonders empfindlich.

Entwicklung:

Mehrere Studien zeigen Zusammenhänge zwischen PFAS und Entwicklungsstörungen. Dazu zählen niedriges Geburts-gewicht, Frühgeburten und neurologische Entwicklungs-verzögerungen.

Hinweise bestehen zudem auf ein erhöhtes Risiko für ADHS, Autismus und Sprachprobleme (Currie, S. D. et al. 2024) .

Darüber hinaus zeigen Studien, dass PFAS die Stilldauer verkürzen und die hormonelle Regulation der Milchbildung und -zusammensetzung beeinflussen können (Braun et al., 2016; Timmermann et al., 2017).